Preisfrage im Postkartenformat 2020

Der Universalsamen und seine Matrix

Als Leitfaden für die Preisfrage dient den Philosophischen Bauern das gleichnamige Büchlein ihres Ehrenvorsitzenden Johann Andreas Naumann, darin man alles abgehandelt findet und es gleichwohl - wunderlich erbaut wie erfreut - nach der Lektüre gleich wieder zur Hand nehmen will:

»Und also siehst du mein Freund, daß die Natur einen Universalsaamen bey sich führet, und denselben auf unsere Erde in alle drey Reiche ausgießet, und einen solchen Körper zeuget nachdem sie die Matrix findet. (...) Denn hier in meinen zuletzt angeführten Beweisen, ist die ausgestellte Erde die Matrix zur Zeugung der Vegetabilien; und das faulende Regenwasser, nebst dem ausgelaugten Saft des äspenen Holzes, war die Matrix, in welcher die Natur durch ihre lebendigmachende Kraft verschiedene Gattungen von Würmern zeugete.« 


Die diesjährige Preisfrage lautet also:

Was ist ein »Universalsaamen«,

was alles könnte seine Matrix sein

und was kommt dabei heraus?

Aufruf

Die Philosophischen Bauern möchten alle Interessierten aufrufen, sich dieser entscheidenden Frage ruhig ein paar Momente zu widmen, eine mögliche Antwort auf eine Postkarte zu notieren und an das Hauptquartier der Philosophischen Bauern zu senden:

 

Die Philosophischen Bauern

Friedrichstraße 23a

10969 Berlin

 

Teilnahmebedingungen

  • Antwortformat: Postkarte (Länge 14 - 23,5 cm / Breite 9 - 12,5 cm)
  • Gestaltung: frei (Vorderseite und/oder Rückseite geschrieben, gezeichnet, gemalt, geklebt, gedruckt oder wie es beliebt)
  • Absenderangaben: optional
  • Mehrfacheinsendungen: möglich
  • Einsendeschluss: Freitag, 04. Dezember 2020

Am Tag des Einsendeschlusses wird der Briefkasten der Philosophischen Bauern feierlich geöffnet. Im Anschluss werden alle Antworten präsentiert, studiert und begutachtet. Und natürlich gibt es Preise, sonst wäre das ganzen Fragen ja sinnlos!

 

Sämtliche Einsendungen werden in geeigneter Form auf unserer Internetseite präsentiert.

 

Wie es sich von altersher gehört, wird an dem Tag, an dem der Preis verliehen wird, die Preisaufgabe für das Folgejahr verkündet.

 

Mit bäuerlichen Grüßen

Die Philosophischen Bauern

Historisches: Preisfragen im 18. Jahrhundert

Am 20. Juli 1786 heißt es im Protokoll der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften, nachdem ein gewisser Herr Lagrange »Über die Theorie der periodischen Schwankungen. Theorie von Saturn« ordentlich vorgetragen hat: »Die Akademie ist in die Sommerferien eingetreten.«

 

So wollen »Die Philosophischen Bauern« es in diesem Jahr auch halten - in die Sommerferien eintreten! Nicht aber, ohne vorher noch schnell ein ebensolch altes Ritual wieder aufleben zu lassen: eine Preisfrage auszuloben.

 

Preisfragen waren im 18. Jahrhundert keine Seltenheit. Sie dienten dem Fortschritt des Wissens. Nicht nur die Königlich-Preußische Akademie der Wissenschaften in Berlin stellte Preisfragen, die unter anderem von dem französischen Mathematiker und Philosophen Jean le Rond d’Alembert, dem Weimarer Dichter und Theologen Johann Gottfried Herder und dem Königsberger Philosophen Immanuel Kant beantwortet wurden, sondern insbesondere im Frankreich der vorrevolutionären Zeit wurden berühmte Fragen und wegweisende Antworten formuliert.

Meist Akademien oder sonstige Zusammenkünfte, wie Fruchtbringende Gesellschaften etc. setzten jedes Jahr einen Preis für diejenigen aus, die das vorgeschlagene Preisaufgabenthema am besten behandelten. Die Fragen waren von allgemeinem Interesse und konnten von verschiedenen Disziplinen beantwortet werden.

 

Die heute vielleicht berühmteste Frage wurde von der Berliner Mittwochsgesellschaft formuliert und lautete schlicht: »Was ist Aufklärung?« Und die vielleicht berühmteste Antwort stammt von Kant. Sie ist uns mittlerweile so bekannt, dass wir sie schon wieder vergessen haben.